Einem alten Hund in die Augen zu sehn,
das fällt nicht schwer,
denn sie bestehen aus Ruhe
und sind tief wie ein Meer.
Die Gänsehaut kann einem da laufen,
denn so was ist nicht mit Geld zu kaufen.
Vertrauen und so viel Liebe.
So überlegen dieser Hundeblick,
so viel erlebt und so weise.
Man merkt seine Seele und es macht „klick“
und manchmal weint man leise.
Die Angst so groß, ihn zu verliern,
an irgendeinem Tag,
das lässt doch unsere Seele friern,
selbst wenn man das nicht mag.
Doch ist es schön sie zu genießen,
die süßen grauen Schnuten,
flitzten sie einst mit uns über Wiesen
um rotzfrech anzumuten.
Und all der lieben Hundewelt,
das möchte ich hier mal sagen,
der Angst haben wir uns selber gestellt
und müssen sie auch tragen.
Autor: Andrea Mazi
Hallo Ihr,
nachdem Fraule immer vor diesem Kasten sitzt und schreibt, muß ich mich auch mal melden. Ich heiße Amor und bin ein Boxerle.
Ich war seit meiner dreizehnten Lebenswoche bei meinem Herrle und Fraule. Sie haben alles mit mir geteilt. Ich weiß, daß beide, wie sagt man dazu, schwere Phasen duchgemacht haben. Aber ich hab immer versucht beide zu trösten so gut es ging.
Wir drei waren immer zusammen und haben alles gemeinsam gemacht. Auch zum Hundeplatz gingen wir. Die Wurst suchen hat mir sehr viel Spaß gemacht, oder den Lumpen zu ärgern und dann zu beissen. Unterordnung war nicht so unser Ding, irgendwie haben wir auch das geschafft. Meine Leute sagten immer, daß sie so stolz sind auf mich und mehr könne man nicht erreichen.
Mir ging es all die Jahre gut, war selten beim Doktor. Ja, seit zwei Jahren hat mir, wenn es naß und kalt war, die Vorderpfote etwas weh getan, und seit letztem Jahr hatte ich ein schwaches Herz, wie der Doktor sagte. Aber dafür hab ich immer etwas Leberwurst bekommen. Ich glaub auch, daß Fraule darin etwas versteckt hat.
Ja, früher haben wir weite Touren unternommen, Fraule auf dem Rad und ich lief nebenher. Ich durfte immer laufen, wie ich wollte, die Leine hat sie nur manchmal genommen, wenn wir in die Stadt gingen. Das war auch immer schön, was es da zu entdecken und schnuppern gibt!
Nun haben wir das Rad stehen lassen und Fraule ist mit mir gelaufen, nicht mehr so weit wie früher. Ich fühlte mich zwar noch gut, aber irgendwie hat mir der kurze Weg gereicht.
Ich hab auch bemerkt, daß mich Fraule und Herrle manchmal so anschauten, dann ganz traurige Augen bekamen. Ich bin dann hin und versuchte sie zu trösten, hab sie mit meiner bereits ergrauten Schnauze angestubst. Dann wurden sie aber noch trauriger. Sie sagten dann etwas von einer Regenbogenbrücke. Das verstand ich aber nicht.
Vor über zwei Wochen, ich weiß es genau, es war am 16. November, ist mir Abends furchtbar schlecht geworden. Ich wollte aufstehen und zu Herrle gehen, der mich ja immer so schön beschützen konnte. Aber ich schaffte es nicht. So haben sie sich zu mir hingekniet und mich gehalten. Nach einiger Zeit ging es mir etwas besser, aber habe in der Nacht kaum geschlafen. Ich durfte auch ins Schlafzimmer, vor Fraules Bett. Sie hat mich dann gestreichelt und beruhigt.
Am nächsten Tag war ich noch etwas wackelig auf den Beinen und deshalb sind wir zu dritt zum Doktor gefahren.
Der hörte mein Herz ab und machte solche Bilder von mir drinnen. Dann sagte er, es ist alles voller Krebs. Herrle und Fraule haben sogleich geweint. Das verstand ich nun gar nicht, ich kannte Krebse vom Urlaub, die waren ganz lustig, ich jagte sie.
Nun saß Fraule in jeder freien Minute vor diesem Kasten und recherchierte, wie sie es nannte, ob es nicht was für mich gäbe. Ich wollte Fraule beruhigen, ich spürte, daß es mir nicht gutgeht und meine Kraft nun mit jedem Tag weniger wurde. Manchmal ging es etwas besser, dann freuten sich Herrle und Fraule und drückten mich. Ich durfte auch noch den ersten Schnee erleben. Es hat mir immer viel Spaß gemacht, darin herumzurennen. Ein bißchen hab ich es auch diesmal geschafft zu rennen. Aber dann gab es wieder Tage, so wie letzten Donnerstag, den 1. Dezember, da wollte ich gar nicht mehr aufstehen. Nachts hab ich auch ins Schlafzimmer gepinkelt, aber Fraule nahm mich in den Arm und sagte, es macht doch nichts, ist schon in Ordnung.
Am Freitag hatte ich fast keine Schmerzen, wir sind trotzdem zum Doktor gefahren, weil Fraule sagte, ich hätte Anämie und daher würden meine Bauchschmerzen kommen. Der Doktor gab mir die entsprechenden Mittel, und am Samstag fühlte ich mich wie neugeboren. Bin mit Fraule fortgefahren und auf einer Wiese Gassi gegangen. Dort waren wir schon öfter, es war immer toll. Und einen Hunger hatte ich! Fraule mußte mir an dem Tag dreimal den Napf füllen! Dann hab ich mich auf die Couch gelegt, wie früher immer.
Und plötzlich war es wieder da, dieses komische Gefühl. Ich bin wieder aufgestanden und fand einfach keine Ruhe mehr. So ging es die ganze Nacht. Fraule ist mit mir noch am Sonntag zum Doktor gefahren, ob er mir wieder so ein tolles Mittel geben könnte wie zwei Tage davor. Das hat er auch gemacht.
Aber er hat sich inzwischen meine Unterlagen angeschaut, die er von dem andern Doktor erhielt. Da sagte er, daß die Leber und Nierenwerte ganz schlecht sind.
Wir sind dann wieder heim. Ich schaffte die Treppe nicht mehr, Fraule musste mich tragen. Ich hab mich gleich hingelegt und gewartet, daß die Spritze wirkt. Aber es wurde nicht besser. Nun war auch Herrle da, und beide drückten und streichelten mich. Dann hat Fraule den netten Doktor wieder angerufen. Sie sprach was von erlösen. Der kam auch gleich mit einem großen Koffer. Ich wollte ihn noch begrüßen, konnte aber nicht mehr den Kopf heben. Er hat mich wieder gepiekt, Fraule sagte zu mir, noch einmal, dann ist es vorbei......
Ich konnte damit nicht viel anfangen, ich merkte nur, wie müde ich auf einmal wurde. Mein Kopf lag auf Fraules Schoß, und das war gut.
Nun bin ich im Regenbogenland und habe schon viele Freunde getroffen.
Euer Amor
Nachtrag von Fraule:
Ich kann es nicht fassen, daß es so schnell ging. Ein Tag voller Hoffnung, und dann das.
Meine größte Angst war, den richtigen Augenblick nicht zu erkennen. Aber es wird gesagt, daß man dies erkennt. Ihr hattet recht, man sieht es. Amor hat es mir gesagt.
Am Sonntag, den 4. Dezember kurz vor 15.00 Uhr hat er aufgehört bei uns zu sein. Ich wollte ihm noch die Augen schließen, aber es ging nicht. Es waren 10 ½ wunderbare Jahre.
Danke mein wunderbarer Amor. Wir werden Dich nie vergessen.